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Ratgeber Allergie

Allergie – eine Volkskrankheit

 

Allergien sind weit verbreitet: Praktisch jeder kennt in seiner Familie oder in seinem Bekanntenkreis jemanden, der unter einer Tierhaarallergie, Neurodermitis, Heuschnupfen oder sogar Asthma leidet. Denn Allergien nehmen schon seit Jahren an Häufigkeit zu und das praktisch weltweit.

 

In Deutschland ist den Schätzungen zufolge jeder fünfte Erwachsene betroffen. Besonders hoch ist die Allergierate nach Angaben des Deutschen Allergie- und Asthmabundes (DAAB) hierzulande bei Kindern: Etwa jedes dritte Kind reagiert z.B. auf Birkenpollen oder Katzenhaare mit triefender Nase, tränenden Augen oder juckender Haut. Noch ausgeprägter ist das Problem zum Teil in anderen Ländern, wie etwa in Australien und Neuseeland, wo beinahe jeder Zweite unter einer allergischen Erscheinung leidet.

 

Weiterführende Informationen

 

Deutscher Allergie- und Asthmabund e. V. (DAAB)

An der Eickesmühle 15-19

41238 Mönchengladbach

Telefon 0 21 66 - 64 78 820

Fax 0 21 66 - 64 78 880

www.daab.de

www.facebook.com/daab.allergie ;

 

Deutsche Atemwegsliga e. V.

Geschäftsstelle

Raiffeisenstr. 38

33175 Bad Lippspringe

Telefon: 0 52 52 – 9 33 615

Fax: 0 52 52 – 9 33 616

www.atemwegsliga.de

www.facebook.com/atemwegsliga.de

 

Gesellschaft für Pädiatrische Allergologie und Umweltmedizin e. V.

Rathausstraße 10

52072 Aachen

Telefon: 0241 - 980 04 86

Fax: 0241 - 980 02 59

www.gpau.de

 

Grundlagen der Allergie

Das Immunsystem spielt verrückt

 

Der menschliche Organismus wird tagtäglich mit einer Vielzahl von Substanzen aus der Umwelt konfrontiert. Dabei entscheidet das Immunsystem jeden Tag erneut, ob eine Substanz schädlich oder unschädlich ist. Je nachdem wie die Prüfung der Substanzen durch das Immunsystems ausfällt, werden die eindringenden Stoffe toleriert oder das Immunsystem muss sie bekämpfen und eliminieren, wenn von ihnen Gefahren ausgehen. Im Normalfall tolerieren wir die in der Luft umherfliegenden und mit der Atemluft in unsere Atemwege eindringenden Pollen von Blüten und Gräsern problemlos. Gelangen auf dem gleichen Wege jedoch Bakterien und Viren in die Atemwege und vermehren sich dort, werden sie als „schädlich“ und potenziell gefährlich erkannt. Der Körper versucht, durch Immunreaktionen sowie Husten und Schnupfen die Keime wieder loszuwerden.

 

Bei der Allergie ist genau dieser Mechanismus gestört. Egal, ob jemand auf Hausstaubmilben oder Katzenhaare, auf Erdbeeren oder Gräserpollen allergisch reagiert, die Krankheitsgrundlage ist immer dieselbe: Das Immunsystem des Allergikers toleriert, anders als das bei einem gesunden Menschen, die jeweiligen Substanzen (Allergene) nicht, sondern stuft sie als gefährlich ein. Es kommt zu einer überschießenden Abwehrreaktion. Der Körper versucht, die eindringenden Allergene unschädlich zu machen, abzubauen und zu eliminieren. Eine Allergie ist somit eine krankhafte Überempfindlichkeit gegenüber natürlichen, in der Umgebung vorkommenden Stoffe. Das Immunsystem spielt praktisch verrückt und versucht alles, um diese „Eindringlinge unschädlich“ zu machen.

 

Welche Substanzen vom Immunsystem als „gefährlich“ eingestuft werden, ist individuell sehr unterschiedlich. Man kennt inzwischen mehr als 20.000 Allergene, wobei einige weniger häufig, dafür andere aber sehr oft zu Allergien führen. Die häufigsten Allergieauslöser sind Blüten- und Gräserpollen, gefolgt von Tierhaaren, Hausstaubmilben, Nahrungsmitteln, Schimmelpilzen, Arzneimitteln und Insektengift.

 

In welcher Art sich die Allergiesymptome zeigen und manifestieren, hängt vom Allergieauslöser ab. So führen Pollen, Tierhaare und Hausstaubmilben meist zu Problemen an Augen, Nase und in den Atemwegen. In schweren Fällen, und wenn die Allergie nicht rechtzeitig erkannt wird, kann sich bei diesen Auslösern sogar ein allergisches Asthma entwickeln. Nahrungsmittelallergien verursachen eher Bauchschmerzen und Durchfall, allergische Reaktionen auf Arzneimittel oft Hauterscheinungen. Gefürchtet sind insbesondere Allergien auf Insektengift, da diese schwere und möglicherweise sogar lebensbedrohliche Reaktionen des Körpers, den sogenannten anaphylaktischen Schock, nach sich ziehen können. Ein anaphylaktischer Schock kann in manchen Fällen jedoch auch als Reaktion auf bestimmte Arzneimittel auftreten.     

      

Ursache der Allergie

Auch eine Frage der Hygiene im Kindesalter

 

Ob sich eine Allergie bei einem Kind oder auch bei einem Erwachsenen entwickelt, hängt in erster Linie von den Erbanlagen ab und konkret davon, ob durch die genetische Konstellation eine erhöhte Krankheitsbereitschaft besteht. Ist diese vorhanden, was sich allerdings nicht anhand von Tests voraussagen lässt, bedeutet das nicht, dass die betreffende Person tatsächlich allergische Reaktionen zeigen wird. Es besteht allerdings ein erhöhtes Risiko, dass sich als Reaktion auf bestimmte Umweltfaktoren tatsächlich eine Allergie ausbilden kann.

 

Allergien werden folglich nicht direkt vererbt. Mit den Erbanlagen werden allerdings Gene an die Nachkommen weitergegeben, die eine erhöhte Allergiebereitschaft bedeuten können. Das erklärt, warum Kinder von Eltern mit Allergien ein höheres Risiko haben zu erkranken, als Kinder ohne Allergie bei den Eltern.

 

In den letzten Jahren hat sich gezeigt, dass die hygienischen Bedingungen, unter denen Kinder groß werden, zu den wohl wichtigsten Umweltfaktoren im Hinblick auf die Allergie gehören. Kinder, die unter keimarmen Umständen aufwachsen, scheinen eher anfällig für Allergien zu sein. Dies könnte Beobachtungen erklären, wonach die Allergierate bei Kindern in Industrienationen weit höher ist, als bei Kindern in Entwicklungsländern. Auch haben Kinder mit mehreren Geschwistern und solche, die in einem Hort oder auf einem Bauernhof aufwachsen, seltener Allergien als Einzelkinder und als Kinder, die sehr behütet groß werden.

 

Die Wissenschaftler haben zumindest Erklärungsversuche für diesen auf den ersten Blick unerwarteten Zusammenhang: So scheint das Immunsystem darauf angewiesen zu sein, im Kindesalter regelrecht ausgebildet zu werden. Es muss sich offenbar immer wieder mit eindringenden Fremdstoffen, wie Bakterien und Viren, aber auch anderen Reizen, auseinandersetzen, um zu lernen, welche Reize toleriert und welche abgewehrt werden müssen. Unterbleibt dieses „Training“, wie es bei Kindern der Fall ist, die unter sehr guten hygienischen Bedingungen aufwachsen, so ist das Immunsystem nicht richtig ausgereift. Es reagiert dann auf Substanzen, die ansonsten toleriert werden, mit einer übersteigerten Reaktion, also mit einer Allergie.

 

Dafür, dass weniger die Umweltverschmutzung als mehr die Bedingungen im Kindesalter für die Entstehung von Allergien verantwortlich sind, sprechen auch die Daten des Bundes-Gesundheitssurveys von 1998.[1] In dieser vom Bund unterstützten Untersuchung wurde unter anderem geprüft, wie sich die Allergierate im Westen von der im Osten Deutschlands unterscheidet. Es wurde festgestellt, dass die Allergierate im Westen deutlich höher ist als im Osten, wobei in beiden Teilen Deutschlands Frauen häufiger erkranken als Männer. Generell gaben 40 Prozent der Befragten an, eine Allergie zu haben. Frauen waren zu 47 Prozent betroffen, Männer zu 33 Prozent. Extrem hoch war die Häufigkeit, so der Gesundheitssurvey, mit 62 Prozent bei Frauen im Alter zwischen 30 und 39 Jahren, die in westlichen Bundesländern lebten.

 

Obwohl allgemein die Häufigkeit der Allergien mit steigendem Lebensalter sinkt, wurden in der Studie erstaunlich hohe Raten (25 Prozent) bei den 70- bis 79-jährigen festgestellt. Auch in dieser Gruppe war der Unterschied zwischen West (27 Prozent) und Ost (14 Prozent) erkennbar.         

 

 

 

[1] Bundes-Gesundheitssurvey 1998; Das Gesundheitswesen. Sonderheft 2, 61. Jahrgang, Dezember 1999; © Georg Thieme Verlag Stuttgart · New York

 

 

Ablauf einer Allergie

Es beginnt mit der Sensibilisierung

 

Wie sich eine allergische Reaktion entwickelt, ist wissenschaftlich vergleichsweise gut untersucht: Den zu beobachtenden Reaktionen geht immer eine Phase der Sensibilisierung voraus, in der der Körper direkt Kontakt mit dem Allergen bekommt. Allergene können eingeatmet oder auch mit den Nahrungsmitteln aufgenommen werden oder zum Beispiel über einen Insektenstich in den Körper gelangen. Das Immunsystem stuft in der Sensibilisierungsphase die eindringende Substanz als potenziell gefährlich ein und bildet spezielle Antikörper gegen sie.

 

Kommt es zu einer erneuten Konfrontation mit dem Allergen, das dem Immunsystem nunmehr schon bekannt ist, heften sich diese Antikörper (Immunglobuline) an das Allergen und stellen den Kontakt zu Immunzellen her, die es zu eliminieren versuchen. Gleichzeitig wird der Botenstoff Histamin freigesetzt, der die allergische Reaktion ankurbelt und zudem weitere Reaktionen hervorruft, wie Hautausschläge und Jucken, aber auch Niesreiz und tränende Augen.  

 

 

 

Diagnostik der Allergie

Die Nadel im Heuhaufen finden

 

Besteht der Verdacht auf eine Allergie, ist es notwendig, konkret herauszufinden, auf welche Substanz der Patient tatsächlich allergisch reagiert. Die Suche nach dem jeweiligen Allergen kann leicht der Suche nach der berühmten Stecknadel im Heuhaufen gleichen. Die Medizin nutzt allerdings – ähnlich wie es aus der Kriminologie bekannt ist – verschiedene Hinweise, um den Kreis der infrage kommenden Auslöser deutlich einzuschränken.

 

Einen Hinweis auf eine Allergie liefert häufig schon die Vorgeschichte des Patienten, die so genannte Anamnese. Der Arzt will wissen, wann die Beschwerden auftreten, was ihnen voran ging und ob ein Zusammenhang zu bestimmten Situationen (bestimmte Räume, Kontakt mit Tieren, Genuss bestimmter Nahrungsmittel) zu erkennen ist. So spricht vieles für einen Heuschnupfen, wenn Niesen, Schnupfen und tränende Augen regelmäßig zu einer bestimmten Jahreszeit auftreten. Anhand der Jahreszeit und der Blütezeit von Bäumen, Gräsern und anderen Pflanzen, die als Allergieauslöser bekannt sind, lässt sich das oder die infrage kommenden Allergene bereits einschränken. Im Anamnesegespräch wird auch geklärt, ob in der Familie Allergien bekannt sind und insbesondere, ob Vater oder Mutter an einer Allergie litten. Zwar wird eine Allergie nicht vererbt, wohl aber die Bereitschaft, Allergien zu entwickeln. Ist das Allergen bei einem Elternteil oder bei Geschwistern als Auslöser bekannt, kann das eventuell auch Hinweise auf die Situation beim Patienten selbst geben.

 

Zur weiteren Diagnostik wird häufig ein Hauttest durchgeführt, bei dem gängige Allergene in die Hautoberfläche eingebracht werden (z.B. ein sogenannter Pricktest). Nach etwa 15 bis 20 Minuten wird kontrolliert, ob die eingebrachten Allergene eine Reaktion der Haut ausgelöst haben, meist in Form eines Hautausschlags (Rötung, Blasenbildung). Weitere Labortests, nach Blutentnahme, können die Diagnostik danach ergänzen. Durch diese lässt sich dann bestimmen, ob der Körper die für Allergiker charakteristischen Antikörper in erhöhtem Ausmaß bildet.

 

Im Zweifelsfall kann außerdem ein Provokationstest notwendig werden. Dabei wird der betroffene Patient unter ärztlicher Aufsicht mit der als Auslöser der Allergie vermuteten Substanz konfrontiert, indem er diese zum Beispiel in der Praxis einatmet. Treten daraufhin die charakteristischen Beschwerden auf, sind Allergie und Allergen bestätigt. Wenn nicht, geht die Suche nach dem Auslöser weiter.

 

 

Therapie der Allergie

Den Auslöser möglichst meiden

 

Bei der Diagnostik der Allergie wird zum Teil mit recht hohem Aufwand nach dem auslösenden Allergen gesucht, damit der Patient anschließend die Konfrontation mit diesem Allergen soweit wie möglich vermeiden kann. Man nennt das Meiden der Allergene in der Fachsprache auch Allergenkarenz.

 

Bei manchen Allergieauslösern ist eine Allergenkarenz immerhin zum Teil möglich. So kann ein Patient, der auf Erdbeeren allergisch reagiert, diese von seinem Speisezettel streichen. Schwieriger ist es bei der Pollen- oder der Hausstaubmilbenallergie, wenngleich es auch bei diesen Krankheitsformen Möglichkeiten gibt, den Allergenkontakt erheblich einzudämmen. Tipps und Hinweise, welche Möglichkeiten es gibt, finden sich bei der Darstellung der verschiedenen Krankheitsformen, wie beispielsweise dem Heuschnupfen oder der Hausstaubmilbenallergie. 

 

     

 

Medikamentöse Behandlung

Symptome lindern

 

Es gibt bislang keine Arzneimittel, mit denen sich eine Allergie heilen lässt. Aber es gibt gute Möglichkeiten, die durch die allergische Reaktion hervorgerufenen Symptome zu lindern oder zu beheben. Im Allgemeinen werden die Betroffenen dazu mit Medikamenten behandelt, die z.B. die Wirkung des Botenstoffes Histamin auf die Körperzellen blockieren. Denn es ist u.a. das Histamin, das die allergischen Symptome verursacht. Wird seine Wirkung unterbunden, so bessern sich oftmals die Beschwerden.

 

In schweren Fällen kann auch eine Behandlung mit Kortison notwendig werden. Kortison ist ein natürlich vorkommendes, im Körper in den Nebennierenrinden gebildetes Hormon, das entzündungshemmende Eigenschaften besitzt und das auch allergische Reaktionen mindert. Die Kortisonpräparate können in Form von Cremes auf die Haut aufgetragen, als Spray inhaliert oder als Tablette geschluckt und im Notfall selbstverständlich auch injiziert werden.

 

 

 

Hyposensibilisierung

Für ein toleranteres Immunsystem

 

Bei manchen Allergien kann die überschießende Reaktion des Immunsystems durch Hyposensibilisierung gedämpft werden. Dabei wird versucht, das Immunsystem quasi umzustimmen und peu á peu an das Allergen zu gewöhnen. Der Körper wird dabei sukzessive in langsam steigender Dosierung mit dem jeweiligen Allergen konfrontiert. Dies muss ganz behutsam geschehen und die Behandlung gehört deshalb unbedingt in die Hände eines erfahrenen Arztes. Es besteht die Gefahr, dass schwere allergische Reaktionen auftreten, wenn die Therapie nicht sachgerecht durchgeführt wird. Vor Beginn der spezifischen Immuntherapie sollte man sich außerdem klar machen, dass diese Behandlung konsequent über zwei bis drei Jahre durchgeführt werden muss, wenn sie erfolgreich sein soll. Die Hyposensibilisierung verlangt somit eine hohe Therapietreue und ein hohes Engagement vom Patienten.

 

Sie ist aber nicht bei allen Allergieformen gleich erfolgreich. Sehr gut sprechen in aller Regel Menschen mit einer Pollenallergie an. Etwas geringer sind die Erfolgsaussichten bei der Hausstaubmilbenallergie. Besonders groß hingegen sind die Chancen der Hyposensibilisierung bei einer Insektengiftallergie. Rund 90% der Patienten reagieren nach einer spezifischen Immuntherapie nach Abschluss der Behandlung deutlich weniger empfindlich bei einem Insektenstich.    

 

       

 

Verschiedene Allergietypen

Allergie ist nicht gleich Allergie — verschiedene Reaktionstypen

 

Wenngleich der grundsätzliche Ablauf bei Allergien stets gleich ist, gibt es doch verschiedene Allergietypen. Man unterscheidet zwischen der allergischen Sofortreaktion (Typ I-Reaktion), der verzögerten Reaktion (Typ II-Reaktion), der sogenannten Immunkomplex-Reaktion (Typ III-Reaktion) und der Spätreaktion (Typ IV-Reaktion).

 

Allergische Sofortreaktion:

 

Bei der Typ I-Reaktion, der am weitesten verbreiteten allergischen Reaktion, kommt es unmittelbar nach dem Kontakt mit dem Allergen zu Beschwerden, wie z.B. Atemnot, Hautauschlag oder Juckreiz.

 

Verzögerte und Immunkomplex-Reaktion:

 

Bei diesen beiden selteneren Allergieformen (Typ II-Reaktion und Typ III-Reaktion) treten die Beschwerden erst Stunden nach dem Allergenkontakt auf.

 

Allergische Spätreaktion:

 

Zu dieser Gruppe gehören allergische Reaktionen, bei denen sich nach einem Allergenkontakt z.B. im Bereich der Haut zum Teil erst bis zu 12 Stunden nach dem Kontakt Hautquaddeln ausbilden.

 

 

Heuschnupfen

Allergisch auf Pollen

 

Rote und juckende Augen, Niesattacken, eine laufende oder auch eine verstopfte Nase und dazu noch Müdigkeit, Konzentrationsschwierigkeiten, eventuell Gliederschmerzen und eine allgemeine Abgeschlagenheit – pünktlich zur Pollenflugzeit stellen sich bei Menschen mit Heuschnupfen derartige Beschwerden ein. Doch mit ein wenig Niesen und ein bisschen Schnupfen ist es oft nicht getan. Viele Pollen-Allergiker fühlen sich regelrecht krank. Sie werden durch einen unerträglichen Juckreiz im Bereich der Augen und manchmal auch der Ohren geplagt, sind nicht mehr voll leistungsfähig und leiden nicht selten unter Atemnot. Rund 15 %[1] der deutschen Bevölkerung wird Jahr für Jahr durch solche Beschwerden das Frühjahr vermiest!

 

Ausgelöst werden die Symptome, der auch als „Pollinosis“ bezeichneten Erkrankung, durch den Blütenstaub (Pollen) von Bäumen, Sträuchern, Gräsern, Getreide oder Kräutern. Mit der Atemluft gelangen die Pollen in die Nase, den Mund sowie die Bronchien und über den Kontakt mit den Schleimhäuten kommt es nach entsprechender Sensibilisierung zur Reaktion des Immunsystems. Meist treten die Beschwerden innerhalb von nur 30 Minuten nach Einatmen der Pollen auf. Von einem Heuschnupfen kann man ausgehen,, wenn der Schnupfen rasch, quasi plötzlich, auftritt und ungewöhnlich lange, also über Wochen anhält. Treten die Beschwerden immer zur selben Jahreszeit auf, ist auch dies ein Hinweis.

 

Neben den allgemeinen Beschwerden, die die Lebensqualität der Betroffenen enorm beeinträchtigen können, gibt es einen weiteren Grund, weshalb diese Form der Allergie – der Mediziner spricht auch von einer saisonalen allergischen Rhinitis – keinesfalls als Bagatellerkrankung abgetan werden darf: Wird die Allergie nicht rechtzeitig erkannt und adäquat behandelt, so kann sie sich ausweiten und von den oberen auf die unteren Atemwege übergehen. Infolge kann sich ein allergisches Asthma entwickeln. Mediziner nennen dieses Phänomen „Etagenwechsel“. Seine Folge ist für den Betroffenen fatal: Denn bei einer Allergie der unteren Atemwege haben Patienten nicht mehr nur mit juckenden Augen und triefender Nase zu kämpfen. Hinzu kommt Husten und zum Teil massive Atemnot infolge allergischem Asthmas. Das aber ist ohne entsprechende Behandlung eine potenziell lebensbedrohliche Erkrankung (siehe Ratgeber Asthma). Bei etwa jedem dritten Patienten[2] mit Heuschnupfen ist langfristig ein solcher Etagenwechsel zu beobachten.

 

Behandlung des Heuschnupfens

 

Bei der Behandlung der saisonalen allergischen Rhinitis steht die Allergenkarenz – also das möglichst konsequente Meiden der Konfrontation mit Pollen – an erster Stelle. Das aber bedeutet nicht, dass man während der Blütezeit, also in Frühjahr und Sommer, keinen Fuß mehr vor die Tür setzen darf. Denn in aller Regel tritt der Heuschnupfen nur in der Zeit auf, in der eine bestimmte Baum- oder Gräserart blüht. Wer unter der Pollinosis (Heuschnupfen) leidet, sollte sich deshalb unbedingt bei einem Allergologen testen lassen, um heraus zu finden, gegen welches Allergen sein Immunsystem konkret rebelliert. Treten die Beschwerden vor allem in den ersten Monaten des Jahres auf, so handelt es sich oft um eine Allergie gegen einen sogenannten „Frühblüher“, wie z.B. Hasel oder Erle. Bei Beschwerden Ende März oder Anfang April steht die Birke als Allergieauslöser im Verdacht. Ende April beginnt aber auch die Blüte vieler Gräser- und Getreidearten. Später im Jahr blühen dann krautige Pflanzen wie Spitzwegerich oder Beifuß.

 

Zu beachten ist, dass bei Heuschnupfen auch Kreuzreaktionen auftreten können. Konkret bedeutet das, dass Betroffene nicht nur auf eine bestimmte Pollenart, sondern gleichzeitig auch auf andere Allergene überempfindlich reagieren, die ihrer Struktur ähnlich sind. Bekannt sind zum Beispiel Kreuzreaktionen zwischen Baumpollen sowie Stein- und Kernobst, Nüssen, Karotten und Sellerie, zwischen Gras- und Getreidepollen und Mehlen sowie zwischen Kräuterpollen und Gewürzen, Kräutertees, Kosmetika, Kamille und Sellerie.

 

Selbst bei bestem Willen wird man den durch die Luft fliegenden Pollen nicht gänzlich entgehen können. Wie ausgeprägt der Pollenflug ist, hängt von der Wetterlage ab, wobei der Blütenstaub an schönen, sonnigen Sommertagen vom Wind bis zu 500 Kilometer durch die Luft getragen werden kann. Wann und wo mit welchem Pollenflug zu rechnen ist, kann man über den Pollenflugkalender des Wetterdienstes erfahren oder über die Tageszeitung, den Rundfunk und das Fernsehen.

 

Doch selbst, wenn man sich an starken Pollenflugtagen ein wenig zurückhält, hilft das nicht zu 100 %. Es sind weitere Maßnahmen notwendig. Dazu gehört die allgemeine antiallergische Behandlung. Infrage kommen verschiedene Wirkstoffgruppen, wie die sog. Antihistaminika. Dabei handelt es sich um Substanzen, die die Wirkung des Botenstoffs Histamin, der in der ersten Phase der allergischen Reaktion ausgeschüttet wird, blockieren. Antihistaminika können sowohl als Tablette oder auch als Augen- oder Nasentropfen eingenommen werden. Die modernen Wirkstoffe sind gut verträglich und machen, anders als die Präparate früherer Jahre, kaum müde.

 

Neben den Antihistaminika kommen Kortisonpräparate zum Einsatz. Diese Medikamente werden örtlich (lokal wirksam) entweder zur Inhalation als Spray oder auch zum Beispiel in Form einer Augensalbe eingesetzt. So lassen sich die Nebenwirkungen der Präparate in vielen Fällen auf ein Minimum beschränken.

 

Der betroffene Patient kann außerdem auch eine Hyposensibilisierung erwägen, da diese insbesondere beim Heuschnupfen erfolgsversprechend ist.      

 

Tipps zur Allergenkarenz bei Heuschnupfen

 

Um weniger unter dem Heuschnupfen zu leiden, haben wir hier ein paar Tipps für Sie zusammengestellt:

 

  • Während der Blütezeit der jeweiligen Pflanze sollten Sie keine längeren Aufenthalte im Freien planen und sich so wenig wie möglich im Freien aufhalten.
  • Am stärksten ist der Pollenflug in ländlichen Regionen in den frühen Morgenstunden, während er in der Stadt gegen Mittag oder auch sogar erst abends sein Maximum erreicht. In dieser Zeit sollten Sie den Aufenthalt im Freien möglichst vermeiden und die Fenster der Wohnung geschlossen halten.
  •  Im Auto kann die Pollenkonzentration durch spezielle Pollenfilter gering gehalten werden.
  •  Am Abend sind Duschen und Haare waschen hilfreich. Es verhindert, dass sich Pollenkörner, die an Haut und Haaren anhaften, während der Nacht lösen und eingeatmet werden.
  • Durch tägliches Staubsaugen mit geeigneten, Pollen zurückhaltenden Staubsaugern (mit sogenannten speziellen Feinstaubfiltern) kann die Pollenkonzentration in der Wohnung reduziert werden.
  • Selbstverständlich sollten Pollenallergiker nicht selbst Gras mähen und sich auch nicht direkt ins Gras legen.
  • Ideal ist es, wenn der Urlaub in die Zeit des stärksten Pollenflugs gelegt werden kann und man in eine klimatisch völlig andere Region – am besten ins Hochgebirge oder an die See – reist, wo man von den heimischen Pollen unbehelligt ist.

 

 

[1] Bundes-Gesundheitssurvey, Gesundheitswesen 61 (1999) Sonderheft 2; Hermann-Kunz E. Robert Koch-Institut (Berlin), „Heuschnupfenprävalenz in Deutschland“, S94-S99

[2] Bundes-Gesundheitssurvey, Gesundheitswesen 61 (1999) Sonderheft 2; Hermann-Kunz E., Robert Koch-Institut (Berlin), „Heuschnupfenprävalenz in Deutschland“, S94-S99

 

 

 

Tierhaarallergie

Überreizte Reaktion auf den Hamster

 

Besonders schmerzhaft für so manchen Tierhalter ist es, wenn der Arzt seine Beschwerden als allergische Reaktion auf das geliebte Haustier entlarvt und eine sogenannte Tierhaar-Allergie diagnostiziert. Streng genommen reagieren die Betroffenen dabei nicht auf die Haare der Tiere, sondern auf Allergene, die diesen Tierhaaren anhaften, also zum Beispiel auf Hautschuppen oder den Speichel der Tiere, die über die Haare in die Atemluft gelangen und dann inhaliert werden. Tierhaar-Allergien haben in den vergangenen Jahren ebenso zugenommen wie andere Allergieformen. Besonders häufige Allergieauslöser sind dabei Katzen, Hunde, Vögel und vor allem Nagetiere, wie zum Beispiel Hamster, Meerschweinchen, Mäuse und Ratten.

 

Hat eine Sensibilisierung stattgefunden, muss das Tier keineswegs mit im Haushalt leben, damit Symptome wie Atemnot und Juckreiz auftreten. Da reicht schon ein Zoobesuch, ein Aufenthalt auf einem Bauernhof oder bei besonders empfindlichen Personen sogar die Nähe zu einem Menschen, der Hund oder Katze besitzt.

 

Wer an einer Allergie leidet, ohne dass der Auslöser bekannt ist, sollte deshalb auch an die Möglichkeit einer Tierhaar-Allergie denken. In diesem Fall sollte man seinen Arzt darüber informieren, dass man ein Haustier besitzt oder öfter Kontakt mit Tieren hat. Mit dem Arzt gemeinsam kann man überlegen, wie eine Allergenkarenz (Allergen-Vermeidung) im individuellen Fall realisiert werden kann und wie durch eine antiallergische Behandlung der Situation allgemein zu begegnen ist.   

 

     

Allergie auf Nahrungsmittel

Speisezettel beschränken

 

Längst nicht jede Unverträglichkeit bestimmter Nahrungsmittel ist gleich eine Nahrungsmittelallergie. Unter diesem Begriff werden lediglich die Reaktionen verstanden, die tatsächlich auf eine übersteigerte Reaktion des Immunsystems gegen bestimmte in der Nahrung befindliche Allergene beruhen. Die häufigsten allergieauslösenden Nahrungsmittel sind Kuhmilch, Hühnereier, Nüsse, Mehle, Schalentiere und Gewürze.

 

Zudem kommt es häufig zu Kreuzallergien. Das bedeutet, dass Betroffene auf unterschiedliche Auslöser mit ähnlicher Allergenstruktur ansprechen. So reagieren Menschen mit Allergien gegen Birken-, Erlen und/oder Haselpollen oft auch auf bestimmte Nahrungsmittel und zwar speziell auf Haselnüsse, Sellerie oder Äpfel. Die betreffenden Allergene sind sich in ihrer Struktur recht ähnlich und werden vom Immunsystem fälschlicherweise als „potenziell gefährlich“ eingestuft.

 

Oberstes Gebot auch bei den Nahrungsmittelallergien ist es, bei bekannter Allergie das jeweilige Nahrungsmittel vom Speiseplan zu streichen. Bei einer Allergie auf Nüsse reicht es allerdings nicht aus, auf den Verzehr von Nüssen zu verzichten. Vielmehr muss beim Einkauf darauf geachtet werden, keine Produkte in den Einkaufswagen zu legen, die Nüsse – oder auch nur Spuren von Nüssen – enthalten, was oftmals gar nicht so einfach ist. Auch bei Allergien auf Milch- oder Hühnereiweiß dürfte es schwierig sein, diese Produkte konsequent zu meiden, da Milch- und Hühnereiweiß versteckt in zahlreichen Lebensmitteln enthalten sind. Es ist hilfreich, die Deklarationen der Hersteller genauestens zu studieren. Ein Allergie-Tagebuch kann dabei helfen, herauszufinden, welche Lebensmittel vertragen werden und welche nicht.    

 

     

Hausstaubmilbenallergie

Allergie auf kleinste Spinnentierchen

 

Menschen mit einer Hausstauballergie reagieren nicht allgemein allergisch auf Staub, sondern ihr Immunsystem antwortet übersteigert auf Allergene, die sich in den Exkrementen der Hausstaubmilben befinden. Hausstaubmilben sind winzige Spinnentiere, die millionenfach im Hausstaub vorkommen und deren Ausscheidungen eine sehr hohe allergene Potenz besitzen. Diese mikroskopisch kleinen Tierchen ernähren sich von Hautschuppen. Besonders viele Milben befinden sich deshalb in der Umgebung des Bettes sowie in Teppichen und Polstermöbeln, also überall dort, wo sich Hautschuppen ansammeln oder wo sich Hausstaub bevorzugt anheftet.

 

Mit mangelnder Hygiene hat dies nichts zu tun. Denn die kleinen Spinnentiere sind in jeder Wohnung und in jedem Bett zuhauf anzutreffen. Immerhin verliert der Mensch täglich rund 1,5 Gramm an Hautschuppen. Das hört sich wenig an, reicht aber, um mehr als eine Million Milben zu ernähren.

 

Wann immer Staub aufgewirbelt wird, also zum Beispiel beim Verrücken von Möbeln, aber auch beim Staubsaugen, verteilen sich die im Milbenkot enthaltenen Allergene mit dem Hausstaub in der Luft und können eingeatmet werden. Allergiker reagieren auf die Inhalation dieser hochallergenen Staubpartikel mit juckenden und tränenden Augen, Niesanfällen, einer laufenden Nase und in schweren Fällen auch mit Atemnot.

 

Anders als beim Heuschnupfen treten die Beschwerden nicht zu einer bestimmten Jahreszeit auf, sondern sind praktisch über das gesamte Jahr annähernd gleichmäßig stark. Eine etwas verstärkte Symptomatik ist bei manchen Hausstauballergikern in den Herbstmonaten zu beobachten. Das liegt daran, dass die Hausstaubmilben normalerweise zwei bis vier Monate leben und das vor allem während der Sommerzeit. In dieser Zeit steigt folglich die Konzentration ihrer Exkremente im Staub erheblich an, weshalb Hausstauballergiker eher im Herbst als im Frühjahr Probleme bekommen.         

 

Tipps zur Allergenkarenz bei Hausstaubmilbenallergie

 

Ähnlich wie beim Heuschnupfen gibt es auch bei der Hausstaubmilbenallergie einige Möglichkeiten, die Konfrontation mit dem Allergen zu minimieren:

 

  • Da sich die Milben bevorzugt in Matratzen und Polstern tummeln, ist es ratsam, auf Teppiche und auf Polstermöbel zu verzichten und stattdessen einen Parkett- oder Fliesenfußboden und Ledermöbel zu wählen.
  • Ist bereits Teppichboden vorhanden, so kann er mit milbenabtötenden Mitteln behandelt werden. Generell sollte man, wenn man auf Teppichboden oder Teppiche nicht verzichten will, nach Möglichkeit Auslegeware mit kurzem Flor wählen.
  • Im Bett können die Milben durch einen milbenundurchlässigen Matratzenüberzug abgewehrt werden. Auch für die Kissen gibt es Bezüge, die die Milben zurück halten.
  • Oberbett und Kopfkissen sollten kochfest sein und regelmäßig entsprechend heiß gewaschen werden. Sind sie nicht kochfest, so sollte die Waschtemperatur bei mindestens 60 Grad liegen und die Wäsche sollte entsprechend lange gewaschen werden (mehr als eine Stunde),  um die Milben abzutöten. 
  • Kuscheltiere von Kindern mit Hausstaubmilbenallergie sollten ab und an für einige Zeit in der Tiefkühltruhe aufbewahrt werden, da auch die Kälte die Milben zum Absterben bringt.
  • Hausstauballergiker sollten, wenn möglich, nicht selbst Staub saugen oder Staub wischen. 
  • Die Wohnung sollte gut belüftet und nicht zu stark beheizt sein, da die Milben sich in einem feucht-warmen Klima besonders gut vermehren.

 

 

 

Insektengiftallergie

Insektengiftallergie

 

Allergien gegen Bienen- und Wespengifte sind im Vergleich zu anderen Allergien seltener. Sie sind jedoch besonders gefürchtet, da die Reaktion auf Insektenstiche bei den Betroffenen rasch erfolgt und zudem sehr schwerwiegend verlaufen kann. Reaktionen sind Juckreiz, Hautausschlag, Atemnot, Zittern, Schwindel und Übelkeit, in sehr schweren Fällen kann es auch zu einem Zusammenbruch des Kreislaufs, dem so genannten anaphylaktischen Schock, kommen, der potenziell lebensbedrohlich ist und unverzüglich einen Notarzt erfordert.

 

Patienten mit bekannter schwerer Insektengiftallergie sollten deshalb stets einen Notfallpass mit Empfehlungen zu den sofort zu ergreifenden Hilfsmaßnahmen bei sich tragen. Die Betroffenen werden von ihrem behandelnden Arzt zudem meist mit einem Notfallset versorgt, in dem sich ein Antihistaminikum, ein Kortisonpräparat und ein Notfallmedikament (Adrenalin) befindet, das im Fall des Falles rasch inhaliert oder injiziert werden kann. Das Antihistaminikum und das Kortisonpräparat sollten sofort nach einem Insektenstich eingenommen werden, das Adrenalin hingegen sollte nur dann angewendet werden, wenn sich Symptome eines anaphylaktischen Schocks ankündigen.

 

Anzuraten ist zudem eine Hyposensibilisierung, die gerade bei Menschen mit Insektengiftallergien in aller Regel erfolgreich die Überempfindlichkeit des Immunsystems gegen diese Allergene abmildert.

 

Selbstverständlich sollten Menschen mit Insektengiftallergie die notwendige Vorsorge treffen, um nicht von Bienen oder Wespen gestochen zu werden. Sie sollten sich möglichst nicht in der Nähe von Bienen- oder Wespennestern aufhalten, im Sommer nicht draußen auf der Wiese barfuß laufen und äußerst vorsichtig sein, wenn sie süße Nahrungsmittel oder Getränke verzehren, da diese Bienen und Wespen anlocken. Es ist für Insektengiftallergiker außerdem sinnvoll, während der Insektenflugzeit in der Nacht das Schlafzimmerfenster geschlossen zu halten oder vorsorglich ein Insektenschutznetz z.B. an Fenstern anzubringen.  

 

 

 

Kontaktekzem

Allergisch auf Berührung

 

Neben den Atemwegen und dem Magen-Darmtrakt kommt vor allem die Haut mit Allergenen in Kontakt. Bei Menschen, die auf bestimmte Substanzen allergisch reagieren, bildet sich an der Berührungsstelle ein sogenanntes Kontaktekzem aus. Es handelt sich um eine lokale immunologische Reaktion auf ein spezielles Allergen. Die Kontaktstelle fängt an zu jucken, rötet und schuppt sich. In schweren Fällen entwickeln sich Bläschen. Die Haut bricht auf, nässt und später bilden sich Krusten über der verletzten Hautstelle.

 

Sehr häufig werden Kontaktekzeme durch Nickel, Chrom und andere Metalle ausgelöst. Aber auch Konservierungsstoffe und andere Zugaben in Kosmetika oder Farbstoffe in Textilien können solche Reaktionen hervorrufen. Das gilt auch für Waschmittel, Haarfärbemittel und Parfums und sogar für Pflanzen wie z.B. Primeln, Knoblauch und Efeu.

 

Beim Kontaktekzem gibt es zwei Strategien: Zum einen muss versucht werden, die Auslöser des Hautausschlags zu eruieren und soweit wie möglich zu meiden. Zum anderen müssen die Hautveränderungen gezielt behandelt werden. Es muss ferner auf eine besonders gute Hautpflege geachtet werden und man sollte konsequent fett- und feuchtigkeitsspendende Salben und Cremes verwenden.

 

 

Neurodermitis

Quälender Juckreiz

 

Bei der Neurodermitis handelt es sich ebenfalls um eine Erkrankung, die auf einer Überreaktion des Immunsystems beruht. Diese Hautreaktion tritt nicht nur bei Kontakt zu einem bestimmten Allergen auf, sondern sie verläuft chronisch. Denn Menschen mit Neurodermitis reagieren auf zahlreiche Substanzen aus der Umwelt mit den typischen Hautentzündungen. Auch Wärme oder Kälte und mechanische Reize (zum Beispiel durch enge Kleidung) können die quälenden Hautreaktionen hervorrufen.

 

Zusammen mit dem Asthma bronchiale zählt die Neurodermitis, auch atopisches Ekzem, endogenes (von innen kommendes) Ekzem oder atopische Dermatitis genannt, zu den häufigsten chronischen Erkrankungen bei Kindern – Tendenz steigend. Die Hauptsymptome sind eine Rötung und Schuppung der Haut, starker Juckreiz und in schweren Fällen ein massiver entzündlicher Hautauschlag mit zum Teil nässenden Hautpartien. Die Veränderungen zeigen sich bevorzugt in den Arm- und Kniebeugen, können aber auch andere Körperregionen betreffen.

 

Bei der Behandlung der Neurodermitis kommt es darauf an, die Trockenheit der Haut regelmäßig durch eine rückfettende Hautpflege auszugleichen. Es kommen Salben, Cremes und Lotionen zum Einsatz. Dabei unterscheidet man zwischen Maßnahmen zur Entzündungshemmung und damit zur Linderung der allergischen Reaktion und solchen zur Basis-Hautpflege. Die konsequente Hautpflege ist für jeden Neurodermitiker ein absolutes Muss. Die Haut muss unbedingt vor weiterer Austrocknung geschützt werden, was sich oft nur durch den regelmäßigen Einsatz von Ölbädern sowie fett- und flüssigkeitsspendenden Cremes erreichen lässt. Durch spezielle Fettsalben, -Cremes oder -Lotionen kann außerdem den Rötungen und Hautreizungen vorgebeugt und der Juckreiz gemindert werden.

 

Bei der gezielten antiallergischen Therapie werden Kortisonpräparate auf die Haut aufgetragen. Ihre Anwendung ist in schweren Fällen die Voraussetzung dafür, dass die Beschwerden abklingen und der Juckreiz – der automatisch zum Kratzen und damit zur Hautzerstörung führt – unterbunden und damit der Teufelskreis zwischen Juckreiz, Kratzen und blutender Haut durchbrochen wird. Um die Nebenwirkungen der Kortisonbehandlung zu minimieren, sollten die kortisonhaltigen Salben und Cremes genau nach Anweisung des Arztes angewendet werden. Nach Rückgang der Hauterscheinungen reicht oft die Behandlung mit Fettsalben und -Cremes, die aber konsequent fortgesetzt werden müssen, um dem erneuten Aufflammen der Neurodermitis zuvorzukommen.