Wie wir Nachhaltigkeit systematisch in unserer DNA verankern – Einblicke von Helena Hellmerichs
Nachhaltigkeit ist für die Chiesi Gruppe weit mehr als ein modernes Schlagwort – sie ist ein tief verwurzeltes Prinzip, das jeden Unternehmensbereich durchdringt. Dieser ganzheitliche Ansatz wurde nun offiziell bestätigt: Die Chiesi Gruppe hat die B Corp-Rezertifizierung erneut gemeistert – mit einem stolzen Score von 117,5 Punkten!
Helena Hellmerichs, Shared Value & Sustainability Business Partner bei Chiesi, hält die Fäden für diesen Prozess für Chiesi in Deutschland in der Hand. Im Gespräch beleuchtet sie, warum diese Zertifizierung für das Unternehmen ein Kompass für kontinuierliche Verbesserung ist.
B Corp: Kein Ziel, sondern eine Reise
Ist die B Corp-Rezertifizierung nur ein weiteres Siegel an der Wand?
Helena: Nein, für uns ist sie viel mehr als das. Das Zertifikat wird von B Lab an Unternehmen vergeben, die höchste Standards bei sozialer und ökologischer Leistung, Transparenz und Rechenschaftspflicht erfüllen. Seit 2019 sind wir Teil dieser Gemeinschaft.
Es ist kein einmaliges Ziel, sondern ein fortlaufender Prozess: Nicht eine einzelne, große Veränderung, sondern die Summe vieler kleiner Schritte hat uns vorangebracht. Wir konnten in jeder Impact Area, das sind die Bereiche, auf die wir mit unserem Wirken Einfluss haben – von der Unternehmensführung über Mitarbeitende, Community und Umwelt bis hin zu den Kund*innen – an Punkten zulegen.
Dabei warten wir nicht zwei Jahre auf die nächste Prüfung. Wir führen jährlich ein internes „Self-Assessment“ durch. So bleiben wir am Ball und identifizieren Verbesserungspotenziale sofort, anstatt abzuwarten.
Mitarbeitenden im Mittelpunkt
Die Rezertifizierung spiegelt wider, was das Unternehmen in den letzten Jahren bewegt hat. Ein zentraler Pfeiler sind dabei die Mitarbeitenden.
Helena: Vielfalt, Gleichberechtigung und Inklusion (DEI) sind fest in unserer Kultur verankert – getragen von unserem DEI-Komitee und speziellen Beauftragten in den Tochtergesellschaften.
Wir haben inklusive Einstellungspraktiken umgesetzt und bieten regelmäßig Trainings an, wie etwa zum 'Unconscious Bias', mit dem wir ein diskriminierungsfreies, wertschätzendes Arbeitsumfeld schaffen wollen. Die Fortbildungen dokumentieren wir nun viel genauer, so dass sie auch umfassender in die Bewertung einfließen konnten. Ebenso wichtig ist das „Upskilling“ aller, um nachhaltiges Wirtschaften zu ermöglichen (Aufzeichnung unseres Linkedin Lives zu diesem Thema). Ein sichtbares Zeichen dieser Haltung ist auch unser neues Firmengebäude, das barrierearm gestaltet ist.
Auch das Herzblut unserer Kolleg*innen zählt: 2024 haben 120 von uns insgesamt 651 Stunden Freiwilligenarbeit geleistet – und zwar während der Arbeitszeit. Wir tun dies nicht für B Corp, sondern weil wir es ohnehin tun wollen.
Verantwortung für die Umwelt übernehmen
Das Engagement für den Planeten zeigt sich in harten Fakten: Die Chiesi Gruppe hat sich zum SBTi-validierten Net-Zero-Ziel 2035 verpflichtet.
Helena: Ein entscheidender Hebel zum Erreichen unseres Net-Zero-Ziels ist die Investition von 350 Millionen Euro in die Entwicklung einer neuen pMDI -Generation (Dosieraerosole), den Carbon Minimal Inhaler, mit einem bis zu 90 % reduzierten CO₂-Fußabdruck (aktuelle Pressemitteilung).
Auch im operativen Betrieb drehen wir an den Stellschrauben. Bei der Stromversorgung haben wir den Anbieter gewechselt, sodass wir jetzt regionale ‚Low Impact Renewable Energy‘ nutzen. Zudem prüfen wir Produkte und Verpackungen ständig auf Optimierungspotenzial. Ein einfaches, aber wirkungsvolles Beispiel: Die Umstellung von Styropor auf Pappe bei einer Produktverpackung – ein kleiner Schritt zur Plastikreduktion mit großer Wirkung.
Wir sind stolz auf das Erreichte, wissen aber: Es gibt immer Raum für neue Ideen und Verbesserungen.
Struktur und Transparenz
Nachhaltigkeit braucht selbstverständlich auch ein starkes Fundament – eine robuste Unternehmensführung, wie gelingt das bei Chiesi?
Helena: Unser „Shared-Value-Ansatz“ ist mittlerweile tief in den Unternehmenszielen und selbst in Rollenprofilen verankert. Auch unsere Lieferketten managen wir aktiv durch unseren „Code of Interdependence“, Partnership Days und EcoVadis-Ratings.
Besonders stolz sind wir darauf, dass die B Corp-Prüfung unsere „Rare Diseases Business Function“ gewürdigt hat. Das unterstreicht unser Engagement für Menschen mit seltenen Erkrankungen – eine oft unterversorgte Gruppe, die nicht nur Medikamente, sondern auch gesellschaftliche Aufmerksamkeit benötigt.
Die Rezertifizierung mit 117,5 Punkten ist Bestätigung und Ansporn zugleich. Sie belegt unser Engagement und zeigt aber auch: Nachhaltigkeit ist kein Trend, sondern eine Verpflichtung und ein Versprechen an künftige Generationen. Zukünftig werden wir den Fokus noch stärker auf Biodiversität legen und die Zusammenarbeit mit unseren Lieferanten vertiefen.
Helenas Tipp für andere Unternehmen?
„Nachhaltigkeit muss Aufgabe des Leitungsteams sein und von der Spitze getragen werden. Aber man muss irgendwo anfangen – am besten bei den wesentlichen Themen. Und ganz wichtig: Die Mitarbeitenden so früh wie möglich einbeziehen. Denn Nachhaltigkeit ist Teamsport, mit einem integrierten Ansatz wird sie zur Erfolgsgeschichte!“